Alain Sèbe

tikatoutine

6000 Jahre Felsbildkunst in der Sahara

Aus der Zeit als in der Sahara noch eine üppige Tier- und Pflanzenwelt heimisch war, entstanden von den dort lebenden Menschen Felszeichnungen und Steingravierungen in einer uns heute noch beeindruckenden Aussagekraft. Alain Sèbe, der französische Meisterfotograf, zeigt hier die schönsten Beispiele in einer Qualität, die bisher unerreicht ist.

Es ist eine nicht einfache Aufgabe, diese Entdeckungen der prähistorischen Felsbildkunst zu erklären, die so empfindsam und poetisch fotografiert wurden. Der Fotograf legt es darauf an, dem Betrachter die plastische Schönheit, die Farben im natürlichen Licht und die Werke in ihre natürliche Umgebung einbezogen, darzustellen. Und so ist mehr ein poetisches als ein archäologisches Buch entstanden. Der Sinn dieser Veröffentlichung liegt weniger darin, eine fotografische Reportage zu bringen – wenn diese auch von einer überragenden Qualität ist – als all denen, die nicht das Glück haben diese heiligen Orte selbst aufzusuchen, einen Eindruck zu verschaffen von dem diffusen Licht unter den Felsüberhängen, dem wilden Geruch der in der Sonne gemarterten Felsen, der Stille der Abenddämmerung und der Farbe des Windes.

Alain Sèbe erwarb 1961 das Diplom der Schule von Vevey (Schweiz) und eröffnete bald darauf ein Fotostudio in Nizza. Seit 1967 hat er in mehr als 25 ausgedehnten Reisen Nordafrika besucht und seine Erfahrungen in zahlreichen Veröffentlichungen dokumentiert. Seine sechs großformatigen Bildbände (in deutscher Sprache im Schillinger Verlag Freiburg erschienen) gelten als zeitlose Standardwerke und wurden mit wertvollen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.

216 Seiten, 150 Fotos davon 130 in Farbe, Leinenband, ISBN 978-3-89155-101-1, Euro 32,00 (Unverbindliche Preisempfehlung)

In den Tassilis, den zerklüfteten Gebirgen in der Südostecke Algeriens, an der Grenze zu Libyen und dem Niger, reicht die menschliche Kultur sechs- oder achttausend Jahre zurück. Von den Bewohnern dieser Zeit weiß man wenig außer geheimnisvoller Namen, die zum Grübeln anregen: Getulen, Numider, Äthiopier, Troglodyten, Atlander, Libyer, Garamanten. Auch die Götter, denen sie ihre Gravuren und Felsbilder widmeten, sind uns ebenso wenig bekannt wie die, denen die Bilder von Pech-Merle, Lascaux oder Altamira galten. Die ersten Zaubererkünstler empfanden es als wichtig, in ihren gemalten oder gravierten Botschaften das Dunkle, das Geheimnisvolle und das Gefahrvolle zu beschwören. Dabei suchten sie – wie ihre europäischen Vorgänger – unzugängliche Stellen auf, die sie wegen der nicht vorhandenen Höhlen unter den Felsüberhängen fanden. Auch hier waren die Bilder für die Mitglieder ihres Stammes nicht sichtbar.

Die Entwicklung der Felsbildkunst in den Tassilis erfolgte in mehreren Abschnitten:

Die Jägerperiode umfasst die älteste Zeit mit ihren Felsgravuren im Freien und zeigt besonders das Urrind oder den Büffel, die dadurch, dass sie bald ausgestorben waren, für die Zeitdatierung wichtig sind. Vieles deutet darauf hin, dass die wenigen Menschen dieser Zeit einer weißen Rasse angehörten.

Die Rundkopfperiode bringt die ersten Malereien hervor, die unter die Felsüberhänge gemalt wurden. Charakteristisch ist die Darstellung des menschlichen Kopfes in Kreisform ohne Andeutung der Sinnesorgane. Ältere Bilder aus der Jägerperiode wurden oftmals übermalt.

Die Rinderperiode: Der naturalistische Stil dieser Zeit kennt ein Hauptthema: Große Rinderherden mit Hirten und deren Familien. Auf langen Wanderungen kamen diese neuen Bewohner in das Tassili und schufen Kunstwerke, die zu den schönsten der Vorgeschichte zählen, während die Felsgravuren immer kleiner und anspruchsloser wurden.

Die Pferdeperiode: Um das zweite Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung mussten die Rinderhirten Neuankömmlingen Platz machen, die vom Nordosten eindrangen. Sie hatten zweirädrige Wagen, gezogen von zwei oder vier Pferden manchmal auch von Ochsen. Ihre Bilder unterscheiden sich von denen der Vorgänger dadurch, dass sie Pferde im vollen Galopp zeigen, deren Füße links und rechts abstehen als wenn sie fliegen würden. Auch in der Darstellung der Kampfwagen mit Kriegern, die mit Wurfspeeren und Messern bewaffnet sind, gibt es erste Versuche einer perspektivischen Malkunst.

In der Kamelperiode verschwinden die Wagen wieder, und es erscheinen Reiter auf Pferden und Dromedaren. Die Ausführung der Bilder hat nicht mehr die Qualität der vorherigen Perioden. Die sich bis heute vordrängende Wüste der Sahara löscht die Felsbildkunst zu dieser Zeit aus. Erste Anfänge eines Alphabets, als Vorläufer des Tifinars der Touareg, sind erkennbar, aber die reiche Kultur der neolithischen Kunst hat nicht überlebt.

Die Aufnahmen zu diesem Buch entstanden zwischen den Jahren 1985 und 1991. Bereits in dieser Zeit wiesen einige Malereien Spuren von Steinwürfen auf. Sie waren religiösen Eiferern zuzuschreiben, die die Glaubensbekundungen ihrer Vorfahren zerstören wollten. Heute kann das Tassiligebiet nicht mehr gefahrlos besucht werden, und es ist leider zu vermuten, dass einige der in diesem Buch gezeigten Kunstwerke inzwischen zerstört wurden.

Dieses Buch ist nur noch in wenigen Exemplaren direkt beim Verlag erhältlich