Pius Enderle

Der Neue David und das Neue Jerusalem

Zur Typologie-Symbolik am Freiburger Münster

Nach Fertigstellung des spätgotischen Chores am Freiburger Münster wurde die Ostwand der sich im Untergeschoss des romanischen südlichen Chorflankierungsturms befindlichen, dem Hl. Nikolaus geweihten Kapelle durchbrochen. Der Kapellenraum wurde Durchgangsraum vom Querschiff zum spätgotischen Chor. Die künstlerisch bedeutsame Gestaltung aller Elemente dieses Raumes lässt die Bedeutung erkennen, welche der bauende Zähringerherzog, Berthold V., diesem Kapellenraum zumaß.

Der Versuch einer Interpretation dieser ehemaligen Verkündigungseinheit legt Glaubensaussagen offen, welche auch dem heutigen Menschen in seiner Frage nach dem Daseinssinn hilfreiche Antwort geben kann. Die farbige Gestaltung der einzelnen Symbolelemente durch den Autor erhebt keinen Anspruch auf eine künstlerische Beurteilung. Sie will nur der Verdeutlichung der Symbolik und damit dem Verständnis der Glaubensaussagen dienen. Die christologische Komponente dieser Sinn-Komposition wird in einer Typologie-Symbolik (David-Christus) des zeitgenössischen Universalitätsdenkens eingebracht.

Die mittelalterliche Kirchenraumgestaltung steht im Dienste der theologischen Verkündigung und ist nur von ihr her zu verstehen. Bis in die Einzelheiten hinein durchdacht, variiert die architektonische und ikonographische Ausgestaltung dieses Kapellenraumes das theologische Verkündigungsthema des romanischen Gesamtbaus vom „Neuen Jerusalem“ (Apk. 21,2) in einer die Dimensionen dieses Themas aufschlüsselnden, faszinierenden Symbol-Komposition, in deren Kontext die, dem heutigen Menschen schwerverständliche Symbol-Bilderwelt ihre Sinndeutung erhält.

124 Seiten, 50 Illustrationen in Farbe, 36 Fotos schwarz-weiß, fester Einband, ISBN 978-3-89155-122-6, Euro 19,00